Die SpVg Aurich steht vor einem tiefen wirtschaftlichen Einschnitt. Der kommissarische Vorstand des Traditionsvereins von 1911 hat die Mitglieder und Mitarbeiter darüber informiert, dass der Gang zum Amtsgericht unumgänglich ist. Sofern nicht kurzfristig ein Geldgeber einen erheblichen Betrag bereitstellt, wird für den Verein ein Insolvenzantrag gestellt.
Die Entscheidung folgt auf eine wochenlange Aufarbeitung der Finanzen. Erst vor rund sechs Wochen hatte sich die Führungsebene des Klubs neu aufgestellt, nachdem der bisherige Geschäftsführer, Trainer und sportliche Leiter Stefan Wilts im August überraschend von seinen Ämtern zurückgetreten war. Wilts, der bereits seit 2009 im Verein tätig war und unter anderem die Erfolge der Frauen- sowie Jugendteams prägte, gab Überlastung, gesundheitliche und persönliche Gründe für sein Aus an. Bereits im Juni war der Vorsitzende Ralf Dreiling nach Querelen zurückgetreten.
Hindernisse bei der Bestandsaufnahme
Nach dem Rücktritt von Wilts übernahmen Andreas Zitting als kommissarischer Vorsitzender und Heinz Haase als kommissarischer Stellvertreter und Geschäftsführer gemeinsam mit dem verbliebenen zweiten stellvertretenden Vorsitzenden Hendrik Wunder die Leitung. Das neue Führungstrio stand jedoch vor erheblichen Hindernissen bei der Bestandsaufnahme. Eine vollständige Übergabe der Amtsgeschäfte fand nicht statt. Dem Vorstand fehlten wesentliche Zugänge, darunter auch der direkte Zugriff auf das Konto bei der Deutschen Bank, wo lediglich Kontoauszüge vorlagen. Zudem fehlten Zugänge zu den Social-Media-Kanälen des Vereins.
Bei der schrittweisen Überprüfung der Unterlagen stieß die Führung Berichten zufolge auf offene Rechnungen und neue Forderungen. Versuche, die Situation durch das Streichen von Personalkosten, die rückwirkende Anpassung von Verträgen und allgemeine Ausgabenstopps zu stabilisieren, reichten nicht aus. Der Vorstand betonte, dass der Antrag notwendig sei, um rechtlich korrekt zu handeln. Ein Insolvenzantrag bedeute jedoch nicht das automatische Ende des Vereins. Es gehe nun darum im weiteren Verfahren zu prüfen, wie viel vom Verein und seinen Strukturen erhalten werden kann. Öffentliche Schuldzuweisungen lehnt die Führung während der laufenden Aufarbeitung ab.
SpVG-Herren bekommen schon kein Geld mehr
Der Spiel- und Trainingsbetrieb soll vorerst in allen Bereichen gewohnt fortgesetzt werden. Die Regionalliga-Frauen treten am Sonntag in Horn an, und auch der Jugendbereich bleibt am Ball. Die Männer-Mannschaft in der Bezirksliga, die derzeit den letzten Tabellenplatz belegt, läuft am Sonntag gegen den TV Bunde auf. Das Männer-Team wirtschaftet nach Angaben von Trainer Daniel Franziskus bereits ohne Aufwandsentschädigungen für die Spieler. Welche genauen sportlichen Konsequenzen oder möglichen Strafen ein eröffnetes Insolvenzverfahren für den Seniorenbereich nach sich zieht, ist aktuell noch ungeklärt.
Unklar ist zudem die Ausrichtung des Aurich-Cups, der für den Zeitraum vom 27. Dezember 2026 bis zum 10. Januar 2027 angesetzt ist. Das Hallenturnier mit rund 350 Mannschaften gilt als das größte im Nordwesten und stellt die bedeutendste Einnahmequelle für den Jahreshaushalt des Vereins dar. Bislang sind noch keine Einladungen an die teilnehmenden Klubs verschickt worden, da geprüft werden muss, ob der Verein die notwendigen finanziellen Vorleistungen im Rahmen eines Insolvenzverfahrens erbringen kann.

