Die U19 von TuRa Bremen verliert in der Verbandsliga zu Hause mit 0:45 gegen Union 60. Symbolbild: KI
Die U19 von TuRa Bremen verliert in der Verbandsliga zu Hause mit 0:45 gegen Union 60. Symbolbild: KI

Zweistellige Ergebnisse gibt es im Jugendfußball manchmal. Irgendwo trifft ein eingespielter älterer Jahrgang auf eine neu zusammengewürfelte Mannschaft, irgendwo fehlt der Torwart, anderswo gleich die halbe Mannschaft. Aber bei der A-Jugend, auf Verbandsebene? Dort sollte ein 10:0 schon die Ausnahme sein. Ein 45:0 darf es eigentlich gar nicht geben. Was ist da bloß so kolossal schiefgelaufen?

Dass Union 60 bei TuRa Bremen in Gröpelingen tatsächlich 45 Tore schoss, ist mehr als eine sportliche Kuriosität. Das Ergebnis erzählt vor allem von einem System, das an diesem Nachmittag ziemlich offensichtlich nicht funktioniert hat. TuRa stand mit zwölf Spielern da. Ein einziger Auswechselspieler also. Union hatte einen großen Kader und konnte munter wechseln. Schon zur Pause stand es 14:0, danach kamen noch einmal 31 Treffer hinzu. Man muss kein Fußballprofessor sein, um zu erkennen, dass hier zwei Mannschaften aufeinandertrafen, die sportlich und strukturell so gar nichts miteinander zu tun hatten.

Geestemünder Rückzug ebnet Weg für groteske Konstellation

Und genau da wird es interessant. Denn TuRa war nach der vergangenen Saison eigentlich abgestiegen. Im Juni führte der Bremer Fußball-Verband den Verein noch als Absteiger, den ESC Geestemünde aus Bremerhaven dagegen als Aufsteiger. Wenige Wochen später war Geestemünde aus der A-Junioren-Verbandsliga verschwunden und TuRa wieder drin. Was genau dazwischen passiert ist, muss der Verband erklären. Die naheliegende Vermutung lautet: Geestemünde zog zurück oder verzichtete, TuRa durfte bleiben. Formal mag daran nichts auszusetzen sein. Praktisch stellt sich aber die Frage, ob irgendjemand auch einmal geschaut hat, ob TuRa für diesen Platz überhaupt noch die Voraussetzungen mitbrachte.

Eine U19-Verbandsliga besteht allerdings nicht nur aus verfügbaren Startplätzen. Dazu gehören ein ausreichend großer Kader, Trainingsbetrieb, Konkurrenzfähigkeit und zumindest die realistische Chance, eine Saison ordentlich und durchgängig bestreiten zu können. Wer mit zwölf Spielern in die höchste Bremer Jugendspielklasse startet, erfüllt diese Voraussetzungen augenscheinlich nicht.

TuRa trägt Verantwortung – aber nicht nur TuRa

Natürlich trägt TuRa Bremen selbst Verantwortung. Niemand zwingt einen Verein, einen Startplatz anzunehmen, wenn das Personal dafür fehlt. Und auch über die Ost-Vorstädter Union 60 kann man diskutieren. Muss man beim Stand von 25:0 noch mit letzter Konsequenz auf das nächste Tor spielen? Andererseits kann man einer Mannschaft kaum vorwerfen, ein Punktspiel regelgerecht zu Ende zu spielen. Zumal am Saisonende die Tordifferenz noch eine Rolle spielen kann.

Der schwarze Peter landet deshalb letztlich beim Verband. Nicht weil dort jemand 45 Tore geschossen hätte. Sondern weil Verbände genau dafür da sind, Wettbewerbe zu organisieren, die diesen Namen verdienen. Ein 45:0 ist kein Fußballspiel mehr. Es ist ein Warnsignal. Und vielleicht sollte man beim BFV weniger darüber staunen, wie so etwas passieren konnte, sondern sich fragen, warum man es überhaupt erst möglich gemacht hat.

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