Bei Fußball-Bezirksligist SpVg Aurich brennt weiterhin der Baum – oder besser: es liegt nur noch Asche auf dem Ellernfeld. Zwei Tage vor dem Heimspiel gegen die abstiegsbedrohten Sportfreunde Larrelt/FA Wybelsum feuerte der Verein am Freitagabend Trainer Claudio Casto. Per Telefon. Acht Sekunden dauerte das Gespräch laut Casto. Abschiedsapplaus? Fehlanzeige.
Dass sich die Kreisstädter in den vergangenen Wochen eher als Nebendarsteller in einer Provinz-Seifenoper präsentierten als als sportlich ambitionierter Fußballklub, ist kein Geheimnis mehr. Doch der Rauswurf des Trainers kurz vor Toreschluss setzt dem Ganzen die Krone auf – oder besser: reißt auch noch den letzten Knopf aus dem Trainingsanzug (falls der keinen Reißverschluss besitzt).
Casto war schon länger angezählt. Der impulsive Coach sollte ohnehin im Sommer gehen, ein Nachfolger mit dem ehemaligen Profi Daniel Franziskus war bereits gefunden. Doch offenbar war den Verantwortlichen das Chaos auf dem Trainingsplatz zu groß geworden. Trainingsabsagen, Spielermangel, Abwanderungstendenzen – laut Vorstand genug Gründe, um sich noch vor dem Saisonende zu trennen.
Die Spieler erfuhren von der Trennung beim Training – Casto war dienstlich verhindert. Er selbst äußerte sich knapp, aber sarkastisch: „Das Gespräch ging gefühlte acht Sekunden.“ Ein professioneller Abschied sieht anders aus.
Und sportlich? Katastrophal. Zwei Tage nach der Trennung setzte es vor heimischer Kulisse eine 0:5-Abreibung gegen Larrelt. Zwei Platzverweise inklusive. Die Gäste, die um den Klassenerhalt kämpfen, wurden kaum gestört und spazierten förmlich durch die Auricher Defensive. Von den drei Interimstrainern war am Sonntag übrigens nur Lucas Löschen überhaupt da. Der sprach nach dem Spiel offen von einem „blutleeren Auftritt“.
Was bei der SpVg derzeit fehlt? Struktur. Zusammenhalt. Führung. Was es dagegen reichlich gibt? Verunsicherung, Fluktuation und Ausreden.
Aurich taumelt dem Saisonende entgegen, hofft, dass wenigstens noch ein paar Spieler bis zur Sommerpause durchhalten – und dann alles besser wird. Die Frage ist nur: Mit wem eigentlich? Und wie?

