Kickers Emden empfängt am Sonnabend um 18 Uhr den VfB Lübeck. Sportlich ist das ein ganz normales Regionalliga-Spiel. Drumherum allerdings wird es etwas spezieller. Denn Lübeck kommt nach Ostfriesland, aber die Lübecker Fans sollen lieber zu Hause bleiben. Der Gästeblock bleibt geschlossen. Der VfB selbst teilt mit, dass eine Anreise nach Emden für seine Anhänger zwecklos sei. Das gilt nicht zum ersten Mal. Schon bei den Auswärtsspielen in Schöningen, Jeddeloh II und Hannoi blieben Lübecker Gästefans außen vor.
Der Grund dafür liegt nicht in Emden, sondern in Lübeck. Dort hat sich die eigene Fanszene derart sortiert, dass der Verein mittlerweile eher mit Lageplänen, getrennten Wegen und geschlossenen Blöcken arbeitet als mit der Hoffnung auf gesunden Menschenverstand. Nach dem Heimspiel gegen den Hamburger SV II im März kam es nach Angaben des Vereins im Stadionumfeld und im Contidorf zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Fangruppen. Mehrere Menschen wurden verletzt, darunter auch unbeteiligte Zuschauer. Der VfB stellte Strafanzeige und verschärfte seine Sicherheitsmaßnahmen.
Räumliche Trennung der Fanlager in der Lohmühle
Nach Polizeiangaben waren an der späteren Schlägerei mehr als 50 Personen beteiligt. Sechs Menschen wurden dabei verletzt. Hinzu kamen drei VfB-Fans, die während des Spiels durch Pyrotechnik Rauchgasvergiftungen erlitten. Für einen Fußballabend ist das eine bemerkenswert unerfreuliche Bilanz. Für eine Fanszene, die sich selbst gern als besonders treu, laut und wichtig versteht, erst recht. Auch wenn es Außenstehende weniger verwundert.

Seitdem ist an der Lohmühle jedenfalls einiges anders. Die überdachte Pappelkurve, sonst das Herz der grün-weißen Unterstützung, bleibt bis zum Saisonende geschlossen. Auch das Contidorf wurde dichtgemacht. Der Verein trennt die zerstrittenen Gruppen räumlich. Die „Halunken“ sollen in Block B stehen, das Ultra Kollektiv Lübeck in Block F2. Dazu kommen getrennte Wege, gesperrte Bereiche und klare Vorgaben für Zaunfahnen, Akkreditierungen und Stadionverbote. Man könnte sagen: Lübeck hat aus seiner Kurve ein pädagogisches Planspiel für Deeskalationsbeamte gemacht.
Überraschend entspanntes Heimfinale für den BSV
Für Kickers Emden bedeutet das vor allem: weniger Betrieb im Gästebereich und vermutlich ein entspannterer Ordnungsdienst. Für den VfB Lübeck ist es dagegen ein ziemlich peinliches Bild. Ein Traditionsverein muss seine eigenen Fans auf Reisen ausbremsen, weil Teile der Szene nicht einmal untereinander grün-weiß miteinander können. Dass Fußballfans gegnerische Farben nicht mögen, gehört zum üblichen Stadionfolklore-Besteck. Dass man die eigenen Leute vorsorglich aussperrt, ist dann doch eine andere Liga.
So reist Lübecks Team also ohne Lübeck nach Emden. Die Mannschaft spielt, die eigenen Auswärtsfans fehlen. Vielleicht ist das für den Moment die vernünftigste Lösung. Ein gutes Aushängeschild für den Verein ist es nicht. Wer den eigenen Gästeblock nicht mehr verantworten kann, hat kein Stimmungsproblem. Er hat ein Existenzproblem.

